Barfuß im Allgäu

Barfuß laufen – Leben ohne Schuhe: Freigeister Teil 1

Unser Name kommt nicht von ungefähr, das ist ja klar. Sich frei fühlen, einen freien Blick auf die Welt haben, Dinge hinterfragen und auch mal etwas wagen – das bedeutet freigeist für uns. Und natürlich, sich mit anderen Freigeistern austauschen, sich inspirieren lassen und Neues entdecken. In unserer Serie „Freigeister – Außergewöhnliche Outdoor-Projekte“ wollen wir genau solche Menschen vorstellen. Menschen, die eine ganz besondere Verbindung zur Natur haben, die sich trauen, gegen Konventionen zu verstoßen und die für ihre Aktion brennen. Denn die wirklich abenteuerlichen Sport- und Outdoor-Geschichten werden doch jenseits von Fußballplatz und Hochseilgarten geschrieben, oder?!

Zum Auftakt unserer Reihe haben wir Eva Lockstädt und Wolfgang Hilden interviewt. Die beiden Allgäuer leben das ganze Jahr ohne Schuhe. Bei Wind und Wetter, über Stock und Stein heißt es für sie: barfuß laufen. Wie sie dazu kamen und was sie davon haben, erfährst Du hier:

Hallo ihr beiden! Ihr seid also tagein tagaus auf nackten Füßen unterwegs. Wie kamt Ihr auf diese Idee?

Eva: Wir sind auf unterschiedlichen Wegen zum Barfuß laufen gekommen. Ich habe schon als junges Mädchen auf Bergalmen gearbeitet und dort bereits ganze Sommer barfuß verbracht. Die Erinnerung an das unbeschreibliche Gefühl der Freiheit ermunterte mich vor drei Jahren, diese Lebensweise wieder aufleben zu lassen.

Bei Wolfgang war es völlig anders. Ihn brachte eine plötzliche, schwere Erkrankung vor sechs Jahren dazu, sein Leben neu auszurichten und mehr auf sich zu achten. Das Barfuß laufen entdeckte er kurz darauf bei einer Wattwanderung und entschied sich dann in einem schrittweisen Prozess, dauerhaft auf Schuhe zu verzichten.

Sich für ein Leben ganz ohne Schuhe zu entscheiden, war bestimmt nicht immer einfach. Auf welche Hürden seid Ihr gestoßen?

Wolfgang: Die Hürden auf diesem Weg waren gesellschaftlicher und körperlicher Art. Wobei die gesellschaftlichen Hürden eher als Vorstellung in unserem Kopf stattfanden. Die Realität stellte sich als viel freundlicher heraus, als befürchtet.

Auf der körperlichen Seite dauerte es eine Weile, bis sich die verweichlichten Fußsohlen an die neue Belastung beim Barfuß laufen gewöhnt hatten. Da konnte es dann schon mal zu Überreizungen kommen, wenn man zu schnell zu viel wollte.

Ohne Schuhe durch die Welt: Kein Projekt – ein Lebensgefühl!
Berge und barfuß laufen – eine faszinierende Kombination.

Wie kann man sich Euren Alltag vorstellen? Arbeit, Termine, Ausgehen – seid ihr überall barfuß? Und wie reagieren die Leute darauf?

Eva: So wie wir morgens barfuß aufstehen, so bleiben wir den ganzen Tag barfuß: beim Einkaufen, bei Behördengängen, Arzt- und Krankenhausbesuchen, in der Gastronomie und bei Abendveranstaltungen. Auch im Kontakt zu Kunden – ich betreibe ein Vermittlungsbüro für Ferienwohnungen und Gästezimmer – bin ich stets barfuß. Unangenehme Erlebnisse gab es da noch nie. Die Menschen sind vielmehr interessiert, wenn sie es denn überhaupt bewusst wahrnehmen.

Wolfgang: Einmal interessierte sich eine Gruppe von Wanderern für unser Barfuß laufen und stellte viele Fragen. Eine Frau stand still dabei und schaute die ganze Zeit wie gebannt auf meine Füße. Als sich die Gruppe zum Weitergehen anschickte, nahm sie ihren Mut zusammen und fragte mich: „Darf ich mal Ihre Füße anfassen?“. Sie war von der Gepflegtheit meiner Fußsohlen ganz angetan. Das hatte sie nicht erwartet.

Ein wirklich spannendes Projekt!

Eva: Projekt kann man das, was wir tun, gar nicht nennen. Es ist vielmehr eine Lebenseinstellung, die darauf abzielt, achtsam zu sein, auf die Bedürfnisse von Körper und Seele zu hören und jedwede Einschränkung und scheinbaren Zwang kritisch zu hinterfragen. Dass wir seit mehreren Jahren barfuß leben, ist gleichzeitig Ausdruck und Ergebnis dieser Lebensphilosophie.

Eine Lebensphilosophie, die Euch auch zusammengeführt hat. Stimmt das?

Eva: Als ich mit dem Barfuß laufen begann, suchte ich den Austausch mit anderen Barfüßern über ein Barfußforum im Internet. Wolfgang war dem Forum bereits drei Jahre zuvor beigetreten. Irgendwann schrieb er mir eine Nachricht, die der Auftakt für anregende Diskussionen über all das war, was uns beide in unserem jetzigen und bisherigen Leben so umgetrieben hatte. Darauf folgte ein Besuch bei mir im Allgäu und der Beginn einer wunderbaren Partnerschaft.

Radtour ohne Schuhe
Barfuß auch auf dem Fahrrad? Für Eva und Wolfgang selbstverständlich!

Wie schön! Was ratet Ihr demjenigen, der jetzt auch mehr barfuß laufen möchte?

Wolfgang: Versuche, so oft wie möglich, ohne Schuhe zu Wandern. Suche Dir dazu möglichst naturbelassene Pfade, die in der Karte meist gestrichelt dargestellt sind. So gewöhnst Du Deine Füße an den unmittelbaren Kontakt mit dem Boden und die unterschiedlichen Eindrücke, die auf sie wirken.

Und auf mentaler Ebene? Dazu drei Schlagworte: Selbstbewusstsein, Achtsamkeit und Neugier!

Barfuß laufen auf dem Berg
Freiheit? Barfuß einen Berg ersteigen!

Gibt es ein bestimmtes Outdoor-Tool, auf das Ihr nicht verzichten könntet?

Eva: Man kann nicht immer barfuß wandern, weil der Untergrund oder die Witterung uns an Grenzen bringt. Deshalb gehören zu unserer Ausrüstung immer Minimalschuhe. Einzelheiten und Erfahrungsberichte dazu gibt es auf unserem Barfußblog.

Apropos wandern: Wie sieht für Euch der perfekte Tag in der Natur aus?

Wolfgang: Eine schöne Barfußbergtour bei perfektem Wetter auf einem traumhaften, barfußfreundlichen Untergrund. Und dafür müssen wir auch gar nicht weit reisen. Denn genau das bietet unser Zuhause, das Allgäu, in Hülle und Fülle.

Was plant Ihr als nächstes?

Eva: Wolfgang hat gerade sein 1. Buch herausgebracht „Fünf Jahre barfuß“. Wir freuen uns, andere mit unserer Lebensweise inspirieren zu können. Deshalb laden wir Interessierte auch direkt zu uns zum Barfuß laufen ein. Jetzt im Sommer bekommen wir wieder viel Besuch von Barfußeinsteigern, die uns auf unseren Touren begleiten.

Erfahrungen und Tipps rund um das Barfuß laufen
In seinem Buch blickt Wolfgang auf „Fünf Jahre barfuß“ zurück.

Zum Abschluss noch unser freigeist-Dreier:

1) Was bedeutet „Freigeist sein“ für Euch?

Ohne Rücksicht auf unsinnige Konventionen und Vorstellungen das zu tun, was wir für richtig und wichtig halten.

2) Wann fühlt Ihr Euch frei?

Auf jeden Fall beim Barfußlaufen.

3) Wenn Ihr eine Sache auf der Welt verändern dürftet: Was wäre das?

Wir würden dafür sorgen, dass die Welt nicht mehr von Machthunger, Gier und Egoismus, sondern von der Sorge um das Wohlergehen der Menschen bestimmt wird.

Vielen herzlichen Dank für das Interview!

Wer noch mehr über die beiden Allgäuer und das Barfußlaufen erfahren möchte, schaut unbedingt auf www.barfussblog.de vorbei. Dort findest Du Erfahrungsberichte, Touren sowie jede Menge Tipps und Tricks rund um den Alltag ohne Schuhe.

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